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Frauenfreundschaft aus einer untergegangenen Welt

 Tschechien ist in diesem Jahr das Gastland der Frankfurter Buchmesse - und mit "Geteiltes Haus" von Alice Horackova können sich Leser*innen schon einmal auf das Land mit seiner wechselvollen Geschichte einstellen. In ihrem Roman zeigt Horackova in der Lebensgeschichte und der Freundschaft zweier Frauen und ihrer Familien auch ein halbes Jahrhundert Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es ist ein faszinierender Blick "von unten" in eine mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs untergegangene Welt. Die Tschechin Zdenka und die Deutsche Anezka wachsen in dem Dorf Benezko im Riesengebirge auf, sind seit ihrer Kindheit befreundet. Die Sudeten sind eine Grenzlandschaft wie so viele Regionen im damaligen Ostmitteleuropa, in dem unabhängig von staatlichen Grenzen verschiedene Nationalitäten zusammenleben - mal in einem Schmelztiegel, mal in verhärteten nationalistischen Auseinandersetzung verfeindet. Auch Zdenka und Anezka erleben die Wechselfälle der Geschicht...

Wiener Polizeikrimi mit aktuellen Themen

  Es gibt Autorinnen und Autoren, bei denen ich es kaum erwarten kann, ein neues Buch zu lesen. Mit "Freunderlwirtschaft" hat Petra Hartlieb vor zwei Jahren bei mir Erwartungen geweckt. Und nach der Lektüre von "Buberlpartie" kann ich sagen: Das Warten hat sich gelohnt. Der neue Fall der Wiener Chefinspektorin Alma Oberkofler hat es einmal mehr in sich, und diesmal ist sie ganz besonders nah dran. Denn während eines Treffens mit ihrer Nachbarin auf einem beliebten Wiener Markt erlebt sie hautnah mit, wie ein Auto in ein Restaurant rast. Es kommt zu einer Explosion, mehrere Menschen sterben, und Oberkofler hat einen Fall, der Polizeiobere und Politik nervös machen. Denn das Restaurant gehörte dem österreichisch-israelischen Amon Cohen, der bei der Explosion ums Leben kommt, ebenso wie eine israelische Kellnerin und ein bekannter Enthüllungsjournalist. Am Steuer des Wagens wiederum saß der Juniorchef einer Baufirma, der ein bekannter Rechtsextremist mit politischem Eh...

Lügen und Ungesagtes

 Als Krimiautor mit seinem Ermittler Avi Avraham hat mir Dror Mishani bereits gut gefallen. Mit seinem neuen Roman "Nicht" hat er überrascht und ein Buch geschrieben, das viel Stoff zum Nachdenken bietet. Ein ausgesprochener Roman der leisen Töne, der Zeit braucht, um sich zu entfalten, dann aber nachhallt. Der Übersetzer Eli ist schon seit Jahren verwitwet, er hat einen guten Kontakt zu seiner Tochter, lebt aber im großen und ganzen für seine Arbeit, die naturgemäß recht isoliert verläuft. Falls er sich einsam fühlt, hat er das auch vor sich selbst ganz gut verdrängt. Die Versuche von Freunden, sen soziales Leben ein wenig zu pushem, erträgt er eher stoisch. Doch dann verliebt er sich doch noch einma, lässt sich auf Lia ein, Eine ganz neue Erfahrung nach Jahren des Alleinseins. So weit, so gut - hier könnte eine reife Romanze ihren Ausgang nehmen. Doch als Lia zu einer Konzertreise aufbricht, hütet Eli ihren Hund, zu dem er ein eher zwiespältiges Verhältnis hat. Das Hundesit...

Reise durch ein verändertes Land

 Klaus Brinkbäumer hat lange als Korrespondent in den USA gelebt. Und er ist - das ist seinem Buch "Der amerikanische Albtraum" deutlich anzumerken - seit seinen Schüler- und Studententagen fasziniert vom "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Liebt es vielleicht ein bißchen zu unkritisch, denn vieles, was auch früher schon schwer mit dem (Selbst-)Bild des Landes, in dem jeder es schaffen kann, zu vereinen war, wird in seiner Sammlung von Essays und Gesprächen ausgeblendet. Brinkbäumer geht auf Reise durch die USA, um zu sehen, wie sich das Land ein Jahr seit der zweiten Trump-Präsidentschaft verändert hat. Das Buch beruht auf einer Artikelreihe für die "Zeit". Der Autor spricht mit Wissenschaflern, Journalisten, Analysten, auch mit Vertretern der MAGA-Bewegung und zeigt ein verändertes Land. "Der amerikanische Alptraum" ist nicht das erste Buch, dass den Rechtsruck, die Anti-Migrationspolitik der Trump-Administration, den Einfluss von Big Tech u...

Surferparadies mit Schatten - ein Philippinen-Krimi

 Bei Asia Noir habe ich bisher immer an koreanische oder japanische Krimis gedacht. Daniel Fassbender rückt mit "Heaven´s Gate" aber auch ein tropisches Inselparadies auf den Philippinen in düstere Stimmung. Sein Protagonist Caruso, ehemaliger Profisurfer und als Privatdetektiv bislang eher mit Kleinigkeiten wie gestohlenen Mopeds beschäftigt, rückt ebenfalls zunehmend in die Nähe der hard boiled Detektive der klassischen Noir-Serie, die von schönen Frauen betrogen werden und reichlich Prügel kassieren. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich als ein Sumpf von Drogen und Korruption, dass auch noch ein Taifun aufzieht, scheint da nur konsequent. Eine schöne, reiche Spanierin heuert Caruso an, der bisher zwischen Surfen und viel Alkohol ein recht entspanntes Leben hatte. Ihr Sohn ist verschwunden und hat sich mit seinem Plan, groß ins Drogengeschäft einzusteigen, offensichtlich übernommen. Caruso stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf Gegenwind, sondern auch auf Gefahren....

Aus der Parallelwelt der Superreichen

 In seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" schildert Evan Osnos Alltag und Problemchen aus einer Parallelgesellschaft, zu der die Leser*innen höchstwahrscheinlich keinen Zugang haben und auch niemals haben werden. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Artikeln, die der Autor in den vergangenen Jahren für den "New Yorker" geschrieben hat und handelt von der Welt der Superreichen, die nicht einfach nur Millionäre, sondern Mehrfachmilliardäre sind. Die wachsende politische Bedeutung und Einflussmöglichkeiten der Tech-Milliardäre und Oligarchen in den USA werden hier eher gestreift, die einzelnen Kapitel ermöglichen eher den Blick in das Innenleben und die Denkweise der Menschen mit altem und neuem Geld, die immer noch nicht genug haben.  Bei den titelgebenden Yachten handelt es sich natürlich nicht um schnöde Segelboote, sondern um Super- und Megayachten. Osnos schreibt über Privatkonzerte, bei denen ein Hip Hop Star mal eben eine Gruppe 13-jähriger auf einer Bar Mitzwa...

Meinung oder Nachricht?

 Mit dem Titel ihres Buches "Erzählen, was ist" hat Karin Eigendorf ja ein bißchen das Spiegel-Motto abgekupfert. Sei´s drum - ich war neugierig auf das Buch, bin vielleicht mit einer anderen Erwartungshaltung rangegangen als andere Leser*innen. Mich hätte etwa interessiert, wie es ist, "nur Krise" zu machen statt die gesamte journalistische Themenvielfalt, die Journalisten etwa als Korrespondenten in einem Land oder einer Region abdecken. Oder - sie hat ja den Vergleich aus dem eigenen Berufsleben - eine Überlegung über die Unterschiede, die sich aus der Arbeit als Auslandskorrespondentin versus "Fallschirmjournalistin" ergeben - also immer dann einfliegen, wenn plötzlich geballtes Interesse an einem Land ist, dort aber nicht den Alltag zu leben. Statt dessen ist neben Autobiographie auch ein gutes Stück Selbstrechtfertigung ihrer Art der Berichterstattung im Zentrum des Buches. Über ihr jüngeres Ich als Abiturientin schreibt Eigendorf, sie habe als Jugen...