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Innenblick auf den BND - Mister Hizballah erzählt

 Dass James Bond ein reines Phantasieprodukt ist und Spione ein ganz anderes Leben haben als der Leinwandheld mit der Lizenz zum Töten - das ist wohl auch den Fans des Genres klar.  Mit seinem Buch "Keine Lizenz zum Töten" räumt Gerhard Conrad mit den gängigen Klischees über das Leben in mehr oder weniger geheimer Mission auf. Der Mann weiß, wovon er spricht - schließlich war er jahrelang Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) und hatte hohe Positionen im Nachrichtenwesen auch auf europäischer Ebene inne. Damit ist schon mal klar: Alles, was Conrad in dem Buch über sein Agentenleben berichtet, ist vermutlich stark gefiltert und schildert nur Fälle, die ohnehin bereits öffentlich bekannt sind oder die zumindest nicht mehr als Staatsgeheimnis  gelten. Diskretion als oberstes Gebot eines Nachrichtendienstlers endet schließlich nicht mit dem Eintritt in den Ruhestand. Der Politik- und Islamwissenschaftler Conrad war gewissermaßen zur richtigen Zeit am richtigen Ort, als

Liebe, Drama, Schicksalsschläge

Liebe auf den ersten Blick, versehen mit Drama und Schicksalssclägen - da kann sehr leicht ein seichter, kitschiger Liebesroman rauskommen. Muss aber nicht sein, so bei "Die Liebe an miesen Tagen" von Ewald Arens. Es sind einmal mehr die starken, ein wenig spröden Frauenfiguren dieses Autors, die ein Abgleiten ins Sentimentale verhindern. So ist die Geschichte eingängig zu lesen, bietet gewissermaßen was fürs Herz, wird aber niemals seicht. Schauspieler Elias ist einer, der das Leben eher leicht nimmt. Aus einer frühen, eigentlich einzigen ernsthaften Beziehung und viel zu frühen Ehe ist die heute 17 Jahre alte Tochter Jule hervorgegangen. Die Beziehung zu seiner derzeitigen Freundin Vera hatte von Anfang an auf seiner Seite nicht viel mit Verliebtsein zu tun und jetzt überlegt er schon, wie er am besten Schluss machen soll, als sie ihn zur Besichtigung eines alten Häuschens auf dem Land mitschleppt. Die Besitzerin ist Clara, frisch arbeitslose Fotografin Ende 40, schlagferti

Das Zeugnis des Sonderkommandos

 Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das deutsche Vernichtungslager Auschwitz. Die Krematorien waren zu diesem Zeitpunkt bereits gesprengt, die Mehrheit der Häftlinge auf den berüchtigten Todesmärschen weiter westlich getrieben worden und diejenigen, die als krank und schwach zurückgelassen worden waren, verdankten ihr Überleben dem schnellen Vormarsch der sowjetischen Truppen. Denn eigentlich sollten keine Zeugnisse der deutschen Verbrechen übrigbleiben. Ein ganz besonderes Zeugnis, gewissermaßen der letzte Blick auf die Opfer, sind die Briefe des sogenannten Sonderkommandos. Ihm gehörten Häftlinge an, die an den Gaskammern, in den Krematorien von Auschwitz arbeiten mussten, die sahen, was andere Insassen zwar wussten, was sie aber erst dann sahen, wenn sie selbst zu den "Duschen" befohlen wurden.  Als Mitwisser und Augenzeugen waren auch die Mitglieder des Sonderkommandos Todeskandidaten, wie ihnen selbst nur zu klar war. Einige versuchten, Zeuge zu sein f

Hilfe, er ist ein Schwabe! - Multikulturelle Liebesgeschichte

  Amaya ist 30, Schauspielerin in einer Fernsehserie und Single. Vor allem letzteres bereitet ihren aus Marokko eingewanderten Eltern, insbesondere ihrer Mutter, Kummer. Denn auch wenn die Eltern einst darauf geachtet hatten, dass die Kinder kein "Ghetto-Deusch" sprachen und eine ordentliche Schullaufbahn hinter sich brachten - sie sind auch in der marokkanischen community verwurzelt und fromme, wenn auch keineswegs fundamentalistische Muslime. Und wie viele Mütter wünscht sich auch Amayas Mutter einen netten Ehemann für ihre Tochter und Enkelkinder. Das Problem für Amaya: Sie hat zwar schon eine Reihe von Männern gedated, aber das waren alles Deutsche. Als Ehemann akzeptabel, das ist ihr bewusst, ist nur ein Moslem. Und eigentlich will ja auch sie eine Familie gründen mit einem Mann, der ihre Werte und ihre Religion teilt. Eilig hat sie es eigentlich nicht damit. Dennoch, als sich der jüngere Bruder verlobt, wächst der Druck auf Amaya. Von der jüngeren Schwester lässt sie si

Unerfüllte Erwartungen an das Leben und die Liebe

 Der Titel "Lektionen" ist doppeldeutig: Das gleichnamige Buch von Ian McEwan beginnt in einem englischen Internat in den 60-er Jahren, mit einem Klavierunterricht, der für den da noch kindlichen Protagonisten Roland Baines noch weitreichende Folgen haben wird. Doch während der Autor seiner gleichaltrigen Romanfigur ein Leben lang folgt, bis in die Corona-Pandemie, da geht es eben auch um die Lehren eines langen Menschenlebens, um das, was Roland mitnimmt und das, was bleibt, von seinen Hoffnungen, seinen Lieben, seinen Erwartungen in sich selbst und den Erwartungen, die andere in ihn gesetzt haben. Da scheint zunächs vieles unerfüllt: Der junge Roland galt als großes Klaviertalent, doch statt einer Pianistenkarriere verdingt er sich auch noch deutlich jenseits der 70 als Klavierspieler während des afternoon tea in einem Hotel - von Musikmampfe spricht er dabei. Die literarischen und journalistischen Ambitionen münden in Kalendersprüchen und Gedichten für Grußkarten. Auch ein

Plädoyer für einen Journalismus mit Rückgrat

 Sie hat den Friedensnobelpreis erhalten und steht seit Jahren immer mit einem Bein im Gefängnis - nur weil sie ihren Job macht. Mit ihrer Biografie "How to stand up to a dictator" hat die philippinisch-amerikanische Jourmalistin Maria Ressa nicht nur ihre Lebensgeschichte erzählt, sie hat auch ein starkes Plädoyer für einen Journalismus mit Rückgrat geschrieben. Als Einwandererkind in den USA eher schüchtern und aufs Lernen focussiert, hat Ressa mit der Rückkehr in ihr Geburtsland steile Karriere gemacht als Südostasien-Korrespondentin bei CNN und langjährige Leiterin einer TV-Nachrichtenredaktion. Die 1963 geborene Journalistin setzte auf Datenjournalismus und digitale Formate, als viele ihrer Generation noch stark damit fremdelten, die Print-Welt zu verlassen oder eine andere Option der Publikation zumindest als gleichwertig zu akzeptieren.  Als Mit-Gründerin des rein digitalen Nachrichtenportals "Rappler" beschritt Ressa Neuland. Sie versprach sich davon mehr Pa

Die Stärke der Schwachen

 Von einer kubanischen Zigarrenfabrik im 19. Jahrhundert bis ins Miami der Gegenwart, von wohlhabenden Vororten bis zu den Gefängnissen für illegale Einwanderer - mit "Von Frauen und Salz"  schildert Gabriela Garcia zeit- und generationenübergreifend Frauen- und Migrationsgeschichten. Erst nach und nach zeigt sich, wo der rote Faden ist, der die Schicksale verbindet.  Maria Isabel, die Zigarrendreherin auf Kuba, Analphabetin, die dank des vorgelesnen Romans "Les Miserables" erkenntt, dass dem Leiden der Armen eine Stimme gegeben wurde, ist nicht nur die Protagonistin einer der Erzählungen, sie ist auch die Ur-Urgroßmutter der drogensüchtigen Jeannette im Miami der Gegenwart. Jeannette, immer zwischen Rückfall und Entzug schwankend, reist nach Kuba, auch auf der Suche nach  einem Stück Identität. Ihre Cousine dagegen hofft auf eine Einladung in die USA oder dass einer der Touristen, die auf Kuba nicht nur Strände, sndern auch sexuelle Kontakte suchen, sie mitnimmt. F