Identitäten, Zuschreibungen und ein Skandal - Identitti
Ironische Distanz ist in der seit einiger Zeit laufenden Debatte um Identitätspolitik eher selten, eine gewisse Verbissenheit und Selbstgerechtigkeit dagegen leider ziemlich häufig. Das macht die Lektüre von Mithu Sanyals Roman "Identitti", nun auch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2021, so erfrischend anders. Denn ja, man kann mit schrägem Humor und einem gewissen Augenzwinkern über Selbst- und Fremdwahrnehmung, Identitätszuschreibung und Suche nach Wurzeln schreiben und trotzdem das Thema ernst nehmen. Sanyal, bisher Sachbuchautorin, hat das in ihrem Romandebüt klar bewiesen. Die Frage "Woher kommst du?" nervt die aus dem Ruhrgebiet stammende und in Düsseldorf studierende Nivedita schon lange. Die Frage, wer und was sie eigentlich ist, beschäftigt die Tochter einer deutschen Mutter mit polnischen Wurzeln und eines indischen Vaters schon seit ihrer Kindheit, Wie gerne wäre sie doch ein richtiges indisches Mädchen, was irgendwie viel cooler ist als Ruhrg...