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Familien- und Zeitgeschichte in deutscher Teilung und Gegenwart - Die Enkelin

  Familie kann man sich nicht aussuchen. Und dennoch heißt es: Blut ist dicker als Wasser. In Bernhard Schlinks ruhig und eindringlich erzählten Roman geht es um Familienbande und Verbindungen vor dem Hintergrund deutscher Teilung und Zeitgeschichte, um Loyalitäten und Liebe. Aus Liebe zu Kaspar, dem Studenten aus dem Westen, hat Birgit einst die DDR verlassen, auf abenteuerlichem Weg. Die Ost-West-Romanze endete glücklich und auch wieder nicht. Denn Kaspar, der für Birgit sein Studium aufgab und Buchhändler wurde und die Studentin aus der DDR heirateten zwar, liebten einander, doch für Birgit reichte das wohl nicht aus. Immer wieder bricht sie aus dem Alltag aus - ein anderes Studium, eine neue Ausbildung, eine zweite, eine Auszeit im Ashram. Sie kommt immer wieder zurück, aber sie trinkt viel, zu viel. Als Kaspar sie, beide sind mittlerweile in ihren 70-ern, eines Tages tot in der Badewanne findet, kommt zur Trauer die unbeantwortete Frage: War es ein Unfall oder ein Suizid? Als...

Kalter Krieg und doppeltes Spionagespiel - die stille Tochter

Ein Polizist mit Hang zur Selbstzerstörung, ein brutal ermordeter Ex-Politiker und Spion, der Fund einer Frauenleiche, die als ehemalige KGB-Agentin identifiziert wird:In dem Spionagethriller "Die stille Tochter" lässt Gard Sveen noch einmal die Zeit des Kalten Kriegs aufleben und schafft es dabei, den Fall trotzdem nicht wie aus der Mottenkiste der Geschichte gezogen erscheinen zu lassen. Denn auch wenn das Ende der Sowjetunion die Bedrohungslage für Norwegen verändert hat, obwohl Meisterspion "Sascha" mittlerweile seine Erkenntnisse an die einstigen Feinde verkauft hat und als "Berater" im Westen lebt, schweigt der einstige Leiter der KGB-Station in Oslo und Führunngsoffizier mehrerer Agenten über einige wesentliche Details von einst. Als ein Angler in einem See die skelettierte Leiche der einstigen DDR-Bürgerin Christel Heinze entdeckt, wird plötzlich die Vergangenheit wieder aufgerollt. Kurz nach dem Fund der Leiche wird der einstige Doppelagent Ar...

"Allee unserer Träume" - Eine Architektin und die Stalinallee

Eigentlich eine interessante Idee: Aufbau und Aufbruch der Nachkriegszeit, geschildert nicht aus der Sicht einer "Trümmerfrau", sondern einer Frau, die zugleich Macherin ist. Und die nicht in der Bundesrepublik, sondern in der DDR den Neuanfang angeht. Ich war daher sehr gespannt auf "Allee der Träume" des Autorenduos Ulrike Gerold und Wolfram Hänel. Denn Ilse, die Hauptfigur dieses historischen Romans, ist Architektin, als Tochter eines Bauunternehmers trotz Scheidung der Eltern behütet und ziemlich privilegiert aufgewachsen. Also eigentlich nicht unbedingt der Typ, der sich nach 1945 für den sozialisitischen deutschen Staat entscheidet, sollte man meinen. Genau hier ist auch schon die erste Ungereimtheit des Buches, denn es wird zwar angedeutet, dass Ilse wegen eines "braunen Flecks" in ihrer Vergangenheit im Zusammenhang mit einer kurzen Ehe in der DDR Angst haben muss, erkannt zu werden und deshalb unter dem Namen ihrer Schwester einen Entwurf für ei...