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Ein Unglück, privates Leid und öffentlicher Druck

 Daniel Glattauers Buch "Die spürst du nicht"  beginnt wie ein großbürgerlicher Sommertraum: Zwei befreundete Ehepaare samt Nachwuch fahren gemeinsam zum alljährlichen Sommerurlaub in die Toskana, genießen auf der Terrasse mit Poolblick den ersten Prosecco. Das Leben kann so schön sein, der perlende Wein überdeckt fad gewordene Beziehungen. Diesmal ist die Gruppe erweitert um Aayana, eine Klassenkameradin der 14-jährigen Sophie-Luise, in der Klasse eher isoliert. von So-Lu aber als neue beste Freundin auserkoren - schon wegen der krassen äußeren Kontraste, die auf Instagram abgehen werden bei ihren Followern.  Da wird schon ein Akzent dieses Romans gesetzt: Der Schein und das Sein, die öffentliche Begleitung privaten Lebens, das im Fall der Strobl-Martineks durchaus auch öffentlich ist, denn So-Lus Mutter ist eine grüne Abgeordnete und wird als künftige Umweltministerin gehandelt. Die Idylle bricht zusammen, als es zu einem Umglück kommt: Aayana ertrinkt im Pool, so leise...

Hilflose Helferin

 Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Das muss auch die Ich-Erzählerin in Theresa Pleitners Debütroman "Über den Fluss" erkennen, eine junge Psychologin, die direkt im Anschluss an ihr Studium ihre erste Beschäftigung in einer Unterkunft für Geflüchtete beginnt, mit großem Enthusiasmus.  Sie kommt mit Idealen - boshaft könnte man sagen, sie habe sich von Kindheit an auf eine Karriere als Gutmensch vorbereitet, spielte sie doch mit jenen, die irgendwie anders waren und auch im späteren Leben scheint sie Liebhaberinnen und Liebhaber nach dem Pronzip möglichst großer Diversität ausgesucht haben. Nun aber der Praxisschock - die erfahrene Kollegin erscheint ihr in abgestumpfter Routiniertheit erstarrt, zu wenig Widerstand entfaltend gegen die Strukturen, die Flüchtlinge letztlich vor allem verwalten. Vor allem anfangs entsteht der Eindruck, die Erzählerin empfinde sich da als irgendwie besser, als eine, die Sand im Getriebe des Asylsystems sein will, die eher verächtlich ...

Flucht , Exil und Suche nach Heimatgefühlen

 Schon in der Grundschule hat Dafer, der aus einer schiitischen Familie im Südirak stammt, gelernt, wie weit das Regime von Saddam Hussein und seiner Baath-Partei reichen - etwa als ein Junge wegen einer Bemerkung erst aus der Schule geholt wurde und dann wenige Wochen später ganz verschwand. Und obwohl er nicht politisch aktiv ist, ist später an der Universtität allein das Interesse des literaturbessenen jungen Mannes für Bücher, die auf einer Verbotsliste stehen, gefährlich. Kommilitonen verschwinden oder werden verhaftet. Dennoch bringt er als Doktorand ein Theaterstück zur Aufführung, das er eigentlich für harmlos hält. Bis er gewarnt wird, er müsse fliehen, sofort. Dafer muss sich Schleusern anvertrauen, landet schließlich in der Schweiz, durchläuft das Asylverfahren, fühlt sich immer mehr als Objekt eines bürokratischen Vorgangs, Teil einer unerwünschten Verschiebemasse von Menschen, die von Platz A zu Heim B geschickt werden, in einem Zwischenzustand, der ihre Wurzel- und He...

Am Abend vor dem Meer - berührendes Bilderbuch für Kinder und Erwachsene

#Flucht #Migration #Syrien #UNHCR Khaled Hosseini berührt mit seinem schmalen, reich bebilderten Buch, Sea Prayer, Gebet am Meer, heißt seine kleine aber wichtige Erzählung im Original, und wie ein Gebet ist sie geradezu meditativ. Sicher auch ein geeignetes Buch, um Kindern das Thema Flucht über das Meer nahe zu bringen. Gerade mal 45 Seiten, manchmal nur ein paar Zeilen Text als Ergänzung zu den Illustrationen von Dan Williams. Mit "Am Abend vor dem Meer" setzt Khaled Hosseini den Flüchtlingsfamilien ein Denkmal. In ebenso einfacher wie poetischer Frage gibt es Antwort auf die Frage: Warum kommen diese Menschen? Inspiriert für «Am Abend vor dem Meer» wurde Hosseini vom Schicksal des dreijährigen Alan Kurdis aus Syrien, der vor drei Jahren im Mittelmeer ertrank. Das Bild des toten Kindes am Strand ging damals um die Welt. Schon die Farben der Bilder zeigen die Zäsur, die der Krieg nach Syrien gebracht hat. Das Davor: Bunt, Grün, farbenfroh, ein üppiges oriental...