Homo Sovieticus, die Tscheka und das Fleisch
Eine gefährliche und von Gewalt ganz unterschiedlicher Seiten erschütterte Stadt war das frühsowjetische Kiew schon in Andrej Kurkows ersten Roman der Reihe um den Milizionär Samson und die Statistikerin Nadeschda nicht. In "Samson und das gestohlene Herz" hat sich das nicht geändert, ganz im Gegenteil. Mit einem Tschekisten, der in die Reihen der Miliz geschickt wird, mit einem Fall, in dem es um illegale Schlachtungen und Fleischverkauf geht, zeichnet sich bereits der Weg in den Stalinismus ab, in allmächtige Geheimdienste und das Eindringen der Politik in alle Bereiche, etwa unter dem Vorwand der Kampf gegen Spekulation. Wobei es bei dem gestohlenen Herz womöglich nicht ganz um den Fleischdiebstahl und die immer neuen Erlasse geht, mit denen der Staat in den Alltag der Sowjetmenschen eindringt. Die Romanze zwischen Samson und Nadeschada blüht, auf jeden Fall hat er sein Herz an die schöne Statistikerin verloren und hegt plötzlich ganz bürgerliche Träume von einem Eh...