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Posts mit dem Label "Kurzgeschichten" werden angezeigt.

Erzählungen von Macht und Ohnmacht aus Simbabwe

 Als postkoloniale Erzählungen ordnet der Verlag die Reihe der von Tsitsi Dangarembga herausgegebenen Erzählungen simbabwischer Autorinnen und Autoren ein. Damit klingt das zwar hinreichend woke, ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob diese Definition die zutreffendste ist, mal abgesehen davon, dass Simbabwe eine koloniale Vergangenheit hatte, aus der es sich befreit hat. Vor allem aber geht es um Macht und Ohnmacht, um Gewalterfahrungen, die zwar in einigen Geschichten im Unabhängigkeitskampf und dem späteren System Mugabe wurzeln, in anderen aber in patriarchalen Strukturen und systematischer traditioneller Unterdrückung von Frauen. Insofern könnten sie auch in der Zeit der Bürgerkriegs in Ex-Jugoslawien spielen, in Syrien oder überall dort, wo archaische Strukturen Ehemännern und Vätern absolute Gewalt über Frauen zubilligen. Ziemlich harter Tobak ist der Stoff dieser Kurzgeschichten, die die literarische Umsetzung wahrer Geschehnisse sind. Im Rahmen des Projekts "Breaking the ...

Fremdheitserfahrungen, Außenseiter und kleine Freuden voller Poesie

 Eigentlich gehören Kurzgeschichten nicht zu meiner Lieblings-Literaturgattung. Ich mag es lieber, wenn eine Handlung viel Raum zur Entfaltung hat. In Fall von Fatou Diomes "Was es braucht, das Leben zu lieben" bin ich allerdings sehr froh, diese Sammlung von Kurzgeschichten der im Senegal geborenen französischen Autorin gelesen zu haben. Diome schreibt in einer ebenso klaren wie poetischen Sprache, ihre Erzählungen mögen kurz sein, beobachten aber sehr genau und zeichnen komplexe Charaktere und Gedankengänge. Mal geht es um Außenseiter in ihrem Wohnort Strassburg, mal wird der Bogen nach Afrika geschlagen, zu dem harten und einfachen Leben der Menschen auf einer der Inseln im Saloum.  Die afrikanische Diasporaerfahrung wird thematisiert, aber zugleich plädiert Diome leidenschaftlich für die Globalität von Kunst und Literatur und erteilt damit jenen eine Absage, die der Meinung sind, für eine bestimmte Sichtweise könnten nur Menschen einer bestimmten Herkunft ihre Stimme erhe...

Erzählungen in der Tradition von tausendundeiner Nacht

  Rafik Schami lebt zwar schon sehr viele Jahre in Deutschland, doch seinem Buch "Wenn Du erzählst, erblüht die Wüste" ist die Nähe zur Tradition des Geschichtenerzählens wie einst in Schehezerades Erzählungen aus 1001 Nacht anzumerken. Mehr noch: Auch in dem Roman des syrischen Autors geht es um das Erzählen von Geschichten und die Wirkung, die sie auf ihre Zuhörer haben. Hier allerdings muss nicht eine Prinzessin buchstäblich ihren Kopf retten, indem sie Nacht für Nacht dem launischen König eine neue Geschichte erzählt. Statt dessen soll eine traurige Prinzessin zurück ins Leben geholt werden und eine Liebe doch noch eine Chance erhalten. Doch auch dies ist nur eine Geschichte, ähnlich der russischen Puppe in der Puppe.  In einer Zeit, in der Syrien und die ganze Region von Spannungen und Gewalt, Flucht und Trauma geprägt ist, führt Schami seine Leser zurück in eine nicht eher eingegrenzte Zeit, womöglich in eine Welt der Sagen und Märchen, in der Erzählkunst zelebriert wir...

Von Fremdheit und Dazugehören-Wollen - Fast ein neues Leben

 Vom Leben im neuen Land und dem Gepäck des alten Landes erzählt Anna Prizkau in ihren Kurzgeschichten, die unter dem  Titel "Fast ein neues Leben" zusammengefasst sind. Mit der Ich-Erzählerin hat sie so manches gemeinsam - In Russland geboren, in den 90-er Jahren nach Deutschland gekommen, das Gefühl der Fremdheit, der Wille, dazu zu gehören, der Kampf mit der fremden Sprache, die sie sich dann zu eigen macht - immerhin ist sie Theaterautorin.  Der Preis, der für das neue Land gezahlt wird, wird eher von der Elterngeneration entrichtet - die psychischen Probleme der Mutter, der Akzent, der sich auch nach vielen Jahren nicht loswerden lässt und der der Tochter peinlich ist. Freunden verschweigt sie die Eltern und ihre Biografie. Teils geht es in den zwölf Geschichten um diese Migrations- und Fremdheitserfahrungen, teils um Disfunktionalität in der Familie und die üblichen Coming of Age-Probleme. Um unglückliche Beziehungen, Scheitern an sozialen Barrieren oder sexuelle Be...

Ein Haus im Donbas und seine Bewohner - Märchen aus meinem Luftschutzkeller

Mtit "Märchen aus meinem Luftschutzkeller" zeichnet Oleksij Tschupa ein Bild der Ukraine jenseits der Klischees wogender Weizenfelder und blondbezopfter Frauen in buntbestickten Bauernblusen, aber auch jenseits der mittlerweile zur Routine gewordenen und schon halb vergessenen Szenen des andauernden militärischen Konflikts. Es ist eher eine Sammlung von Kurzgeschichten als ein Roman, die einzige Klammer ist das Haus in der Stadt Makijiwka, in der alle Figuren wohnen. Jede Episode ist mit einer Wohnung verbunden, vom Erdgeschoss bis zur dritten Etage. Makijiwka ist auch die Geburtsstadt des Autors in der Ostukraine, im Donbas, dem Kohlerevier, Teil der international nicht anerkannten Republik Donezk. Wenn hier von Nationalisten die Rede ist, sind die Anhänger der Regierung in Kiew gemeint. Doch die Notwendikeit eines Luftschutzkellers wird allenfalls im Nachwort Tschupas erläutert, denn die meisten seiner Hausbewohner haben entweder mit genügend Problemen ihres eigenen Alltags...