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Das Wegschauen und das Komplizentum - kluge Analyse des Dritten Reichs

 In seinen Büchern über das nationalsozialistische Deutschland hat der Historiker Götz Aly schon wiederholt die Stimmung der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg untersucht. Mit seinem neuen Buch "Wie konnte das geschehen?" versucht er Antworten zu geben auf eine Kernfrage, die wohl alle beschäftigt, die sich mit dem Dritten Reich, der Schoah und deutschen Kriegsverbrechen befassen oder darüber lernen. Das Buch mit teilweise persönlichen Elementen beim Rückblick auf das Verhalten und die Stimmung in der eigenen Familie liefert viel Stoff zum Nachdenken - auch und gerade dann, wenn Vergleiche zu den Themen und Strategien rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien und Gruppierungen in der Gegenwart gezogen werden. Aly zeigt, dass das Komplizentum und die Einbindung der "Normalbevölkerung" weitaus verbreiteter waren und auf vielen Ebenen stattfanden, eben nicht nur bei denen, die 1938 dank "arisierter" Betriebe und Geschäfte wirtschaftlich ganz anders durch...

Aufstand in Treblinka - das unbekannte(re) Todeslager

 Wenn vom Holocaust und den deutschen Todeslagern die Rede ist, dürften nicht nur in Deutschland die meisten Menschen an Auschwitz denken - das größte der nationalsozialistischen Vernichtungslager, das Lager mit den meisten Toten. Von mindestens 1,1 Millionen Opfern geht die Forschung aus.  Die Namen Treblinka, Sobibor oder Belzec dürften in Deutschland viel weniger Menschen vertraut sein, dabei waren diese Lager reine Todesfabriken. Wer in Auschwitz als ankommender Häftling die Selektion an der Rampe überstanden hatte, hatte zumindest theoretisch eine Chance zum Überleben, jedenfalls so lange die Kraft für die Zwangsarbeit ausreichte.  Wenn die mit deportierten Juden vollgepfernchten Güterzüge nach Treblinka oder Sobibor rollten, führte der einzige Weg in die Gaskammern, über die von den Nazis zynisch so genannte Himmelfahrtsstraße. Im Rahmen der "Operation Reinhardt" wurde die jüdische Bevölkerung der ostpolnischen Stetl ermordet, Treblinka wurde zum Friedhof der Warsch...

Mehr als nur "der Attentäter" - Annäherung einer Enkelin an den 20. Juli

Er ist eíne historische Ikone geworden, auch wenn sein Ziel scheiterte. Hätte Claus Graf von Stauffenberg Erfolg gehabt, wäre das Attentat auf Hitler gelungen - der Zweite Weltkrieg hätte schneller geendent, Millionen von Menschen hätten ihn überleben können, die in den Monaten zwischen Juli 1944 und Mai 1945in Konzentrationslagern ermordet wurden, auf beiden Seiten der jeweiligen Front starben, bei Luftangriffen als Zivilisten ums Leben kamen. Stauffenberg und die übrigen Mitglieder des Widerstadskreis zahlten einen hohen Presi: Verhaftung, Folter, ein sogenannter Prozess vor dem Volkgerichtshof, vor dem die Todesstrafe schon feststand. Selbst nach den Hinrichtungen kannte der Rachedurst des NS-Regimes kein Ende: Die Hingerichteten sollten keine Gräber bekommen, sondern buchstäblich zum Staub der Geschichte werden, die Familien wurden in Sippenhaft genommen, die Kinder wurden von ihren Müttern getrennt, bekamen neue Namen. Für Sophie von Bechtolsheim ist Stauffenberg vor allem ...