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Aus der Parallelwelt der Superreichen

 In seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" schildert Evan Osnos Alltag und Problemchen aus einer Parallelgesellschaft, zu der die Leser*innen höchstwahrscheinlich keinen Zugang haben und auch niemals haben werden. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Artikeln, die der Autor in den vergangenen Jahren für den "New Yorker" geschrieben hat und handelt von der Welt der Superreichen, die nicht einfach nur Millionäre, sondern Mehrfachmilliardäre sind. Die wachsende politische Bedeutung und Einflussmöglichkeiten der Tech-Milliardäre und Oligarchen in den USA werden hier eher gestreift, die einzelnen Kapitel ermöglichen eher den Blick in das Innenleben und die Denkweise der Menschen mit altem und neuem Geld, die immer noch nicht genug haben.  Bei den titelgebenden Yachten handelt es sich natürlich nicht um schnöde Segelboote, sondern um Super- und Megayachten. Osnos schreibt über Privatkonzerte, bei denen ein Hip Hop Star mal eben eine Gruppe 13-jähriger auf einer Bar Mitzwa...

Internationale Justiz - eine Chance für Gerechtigkeit

 Steve Crawshaw hat als Journalist gearbeitet, unter anderem im ehemaligen Jugoslawien während des Bürgerkriegs. Später engagierte er sich bei verschiedenen Menschenrechtsorganisationen. Sein Buch "Vor Gericht" über internationale Justiz zur Ahndung von Menschenrechts- und Kriegsverbrechen ist ein bißchen mit beiden dieser Berufsfelder  verbunden - einerseits sachlicher Report, andererseits durchaus Aktivismus für mehr Gerechtigkeit für Menschen wie Folteropfer oder Überlebende von Kriegsverbrechen, die in ihren eigenen Ländern auf keine Verfahren hoffen können. "Vor Gericht" liefert einerseits historischen Hintergrund zur Entstehung des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und den Internationalen Gerichtshof, erläutert das Weltstrafprinzip. das es etwa erlaubt hat, Kriegsverbrecher in Deutschland vor Gericht zu bringen, auch wenn es keinen deutschen Tatort und keine deutschen Opfer oder Täter gibt.  Zugleich ist das Buch höchst aktuell, geht es doch um die ...

Die Pläne der Rechtspopulisten

 Nicht erst seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump stellt sich die Frage, wie stark westliche Demokratien sind, um autokratische Bestrebungen und den Erfolg rechtspopulistischer Parteien mit einem fraglichen Demokratieverständnis zu stoppen. Deutschland mit der nicht immer erfolgreichen "Brandmauer" gegen die AfD steht nicht alleine da, in anderen Ländern sind die Entwicklungen zum Teil schon deutlich weiter. In ihrem Buch "Das Sterben der Demokratie" untersuchen Richard Schneider und Peter Neumann die Entwicklungen und Pläne der Rechtspopulisten in Italien, Ungarn, den Niederlanden, Frankreich und den USA.  Im komprimierten Vergleich ist die Situation besorgniserregend - jedenfalls für alle, die sich bisher noch keine Sorgen über die Zukunft demokratischer Gesellschaften gemacht haben. Oder würden diese das Buch gar nicht erst lesen, weil sie sich keine Sorgen machen? "Das Sterben der Demokratie ist weder Zufall noch unabwendbares Schicksal", s...

Kulinarische Historie

 Kulturgeschichte manifestiert sich auch in Essgewohnheiten - das hat der US-Autor mit seinen Büchern etwa über Salz oder Kabeljau gezeigt. Der niederländische Historiker Joel Broekaert ist mit seinem Buch "Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen" mit einem ähnlichen Forschungsprojekt unterwegs. Veganer und Vegetarier, aber auch viele Ernährungswissenschaftler wissen: Hülsenfrüchte sind proteinreich und machen satt. Eintöpfe aus Hülsenfrüchten sind traditionell auch immer dann angesagt, wenn das Geld knapp ist. Denn sie sind preiswert und halten sich getrocknet nahezu unbegrenzt.  Broekaert holt zum universalgeschichtlichen Rundumschlag aus, von den neolithischen Menschen, die von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern wurden und schon damals Hülsenfrüchte domestizierten, über Hülsenfrüchte in anderen Kulturkreisen, etwa Sojabohnen in Asien, bis hin zu den Herausforderungen des Klimawandels und dem CO2-Abdruck der Fleischproduktion. Auch die kulturelle Bedeutung mancher Hülsenfr...

Die grauen Eminenzen hinter der Trump-Administration

 Mit "Der Masterplan der Trump-Regierung" blickt David A Graham hinter die Kulissen rechtskonservativer Think Tanks und ihre Rolle als Chefideologen der Trump-Administration. Wobei der Autor zugeben muss - so richtig steuern lässt sich ein unberechenbarer und impulsgesteuerter Mensch wie Trump, der weder zu logischem Denken noch zu echtem Politikverständnis neigt, eher nicht.  Doch zugleich ist Trump die Hoffnung ultrakonservativer Denker, da sich zumindest einige Punkte der jeweiligen Agenda überschneiden - etwa den Kurswechsel beim Thema Einwanderung, einer Schwächung von Kontrollinstanzen etwa der Gerichtsbarkeit und die zunehmende Ideologisierung auch der Mitarbeiter in Schlüsselministerien. Mit Schulungen für den öffentlichen Dienst, so beschreibt Graham, habe die Heritage Foundation bereits Jahre von Trumps Wiederwahl dafür gesorgt, dass Kandidaten für Außen- und Verteidigungsministerium bereitstünden, die im öffentlichen Dienst Beamte ersetzen können, die der Sympathie...

Die Stimmen des anderen Russlands

 Bei all den fürchterlichen Berichten aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gerät es oft in Vergessenheit: Es gibt auch noch ein anderes, ein besseres Russland. Es gibt sie, die Menschen mit Zivilcourage, die Täter und Opfer beim Namen nennen und nicht an die Lüge von der Spezialoperation glauben. Und unter den Mutigen und Engagierten, die sich Wahrheit und Aufklärung verschrieben haben, sind auch die Menschen der Menschenrechtsorganisation "Memorial", schon seit mehr als 30 Jahren. "Erinnern ist Widerstand" lautet der Untertitel von "Memorial" von Irina Scherbakowa, Filipp Dzyadko und Elena Zhemkova. Das Buch ist einerseits ein Porträt der Organisation und ihrer Entstehungsgeschichte in den Jahren der Perestrojka und der mit ihr verbundenen Hoffnungen, die nun so unendlich weit weg erscheinen.  Damals, im Jahr 1989,  fanden sich ehemalige Dissidenten wie Andrej Sacharov mit Vertretern der gerade entstehenden Zivilgesellschaft zusammen, um die...

Whistleblower und Enthüllungen - die Tesla Files

 Als die Journalisten Sönke Iwersen und Michael Verfürden vom Investigativteam des Handelsblatts von einem zunächst anonymen Whistleblower kontaktiert wurden, ahnten sie noch nicht, dass der Gegenstand ihrer Recherche in nur wenigen Jahren ganz dicht an den Schaltstellen der Macht sein würde. Doch Tesla-Chef Elon Musk war bereits zu diesem Zeitpunkt eine schillernde Figur. In ihrem Buch "Die Tesla-Files" schildern die beiden Journalisten die damalige Recherche - zunächst das ungläubige Staunen, wie sorglos bei Tesla anscheinend der Umgang mit sensiblen Daten gehandhabt wurde. Zunächst waren sie skeptisch - die Unterlagen waren schließlich fast zu gut, um wahr zu sein. Auch die Rechtsabteilung sah den möglichen Fallout als bedrohlich an - was, wenn ein Schadensersatzprozess vor US-Gerichten drohen könnte? Die Reporter, die Zeitung, der Verlag mussten sich absichern, verifizieren, weitere Quellen finden, ehe der erste Artikel erscheinen konnte.  "Die Tesla Files" ist ...

Fluchtgeschichte als Familiengeschichte

 Wie lange hallt Vergangenheit, insbesondere ein Trauma aus der Vergangenheit, nach? Vor allem dann, wenn noch lebendige Erinnerung an unmittelbar Betroffene vorhanden ist, erhält sie sicher eine persönliche Note. Das ist mir beim Lesen von "Wir Ostpreußen" von Jochen Buchsteiner deutlich geworden. Das Buch ist sowohl eine Familiengeschichte als auch die Geschichte der Flucht mit einem Treck aus Ostpreußen, über das Haff, beispielhaft für das Schicksal von 14 Millionen Menschen aus den früheren deutschen Ostgebieten am Ende des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach. Buchsteiners Großmutter, die aus einer Gutsbesitzerfamilie stammte, hatte kurz vor ihrem 90. Geburtstag die Geschichte ihrer Flucht für die Enkel aufgeschrieben - Jahre später machte sich Buchsteiner zusammen mit seinem Vater und seinem ältesten Sohn selbst auf den Weg, diese verlorene Heimat kennenzulernen und auf umgekehrtem Weg der Route der Großmutter zu folgen. Gleichzeitig erzählt er die Lebensgeschic...

Sachlicher und analytischer Blick auf den Gaza-Krieg

 Wenn über den Gaza-Krieg diskutiert wird, verlaufen die Gesprächslinien zunehmend emotional, verhärtet und konfrontativ. Da tut es immer gut, wenn ein sachlicher Ton die Hitze aus der Debatte nimmt und zum Nachdenken anregt. "Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza" von Muriel Asseburg ist so ein Beitrag zur Debatte - einordnend, erklärend, den historischen und politischen Hintergrund aufzeigend wie auch die jeweilige internationale Vernetzung der Konfliktparteien und die interessierten Seiten, die den Krieg als proxy für eigene Ziele nutzen. Die Autorin ist Politikwissenschaftlerin, arbeitet und forscht bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehört der Nahe Osten. Da liegt es nahe, nicht einfach die Parolen der einen oder anderen Seite nachzubeten, sondern einen kühlen und sachlichen Blick auf den Konflikt und die Region. Asseburg erklärt Hintergründe, ordnet ein, zeigt bei aller Analyse auch Empathie für die Menschen auf beiden Seiten des Kon...

Wirtschaftsgeschichte für nicht-Ökonomen

 Vielleicht geht es ja nicht nur mir so: Wirtschaftsthemen können mitunter leicht überfordernd sein, wenn der Hintergrund und Expertenwissen fehlen. Mit Andrew Leighs "Die kürzeste Geschichte der Wirtschaft" gibt es einen gewissermaßen niederschwelligen und durchaus unterhaltsamen Zugang (etwas, wofür Wissenschaftler aus dem angelsächsischen Raum gar nicht genug gelobt werden können: Sie versuchen, nicht staubtrocken zu schreiben, sondern bei aller Wissenschaftlichkeit auch gefällig für die Leser*innen) Wenn es um Preisniveaus in Reiseländern geht, kannte ich bereits den "Big Mac-Index" - was kostet ein Burger in verschiedenen Ländern, als Berechnung für die zu erwartenden Kosten. Leigh schafft den Einstieg ähnlich plastisch, in dem er vorrechnet, wieviel Arbeit für eine Beleuchtung mit der Leistung einer durchschnittlichen Glühbirne im Laufe der Jahrtausende verbunden war. Und da zeigen sich vom Feuer in den Höhlen unserer frühen Vorfahren über Öllampen bis hin zum...

Wege aus Russland

 Michael Thumann, Moskau-Korrespondent der "Zeit" hat mit seinem Buch "Eisiges Schweigen flussabwärts" einen politischen Reisebericht geschrieben, der auch eine Geschichte der Ernüchterung und Desillusionierung ist. Als Osteuropa-Historiker und Slawist hat er sich schon während seines Studiums in den 80-er Jahren mit der damaligen Sowjetunion befasst und nach Kindheitserfahrungen im Kalten Krieg die Gorbatschow-Jahre mit Glasnost und Perestrojka erlebt. Freunde, die zu jener Zeit in Moskau oder Leningrad studierten, erkennen das Land nicht wieder - zu sehr hat es sich unter Putin und seinen imperialen Träumen verändert. Thumann hat diese Veränderungen im Laufe dreier Korrespondenten-Stationierungen miterlebt, selten so drastisch wie seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der auch die Arbeit und das Leben ausländischer Journalisten umfassend beeinflusste, angefangen von der nur noch für drei Monate ausgestellten Akkreditierung über immer weniger Zugang ...

Detaillierte Geschichte der Hisbollah

 Wer auf der Suche nach Hintergründen und Vernetzungen der bewaffneten Gruppen im Nahen Osten ist, scheint an Joseph Croitoru nicht vorbei zu kommen. Im vergangenen Jahr las ich mit großem Interesse sein Buch über die Hamas, nun sein neues Sachbuch über die Hisbollah. Einmal mehr zeigt sich Croitoru als gründlicher und faktenreicher Rechercheur, der nicht nur auf die jüngsten Entwicklungen eingeht, sondern Zusammenhänge erklärt und einordnet. Sein Buch beschreibt nicht nur den Werdegang und Aufstieg führender Persönlichkeiten wie des im vergangenen Jahr bei einem israelischen Angriff getöteten Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah. Es ist auch ein Abriss der Geschichte des Libanon in den vergangenen Jahrzehnten und der Rivalitäten der verschiedenen religiösen und politischen Gruppen. Wer kein Religions- oder Islamwissenschaftler ist, bekommt einen Einblick in die historische Spaltung in Schiiten und Sunniten. Natürlich geht es auch um die Rolle des Iran und der islamischen Revolution ...

Innenansichten des Trump-Wahlkampfs

 Nicht nur bei den Anhängern der US-Demokraten dürfte der Katzenjammer im vergangenen November groß gewesen sein, als zunächst Prognosen und später Stimmenauszählungen klar machten: Donald Trump kehrt ins Weiße Haus zurück. Wie konnte das möglich sein, angesichts der erratischen ersten Amtszeit, der Unberechenbarkeit des Kandidaten, von seinen zahlreichen juristischen Problemen einmal ganz abgesehen? Wie konnte eine Mehrheit der Amerikaner*innen diesen Mann für wählbar halten? In seinem Buch "Alles oder nichts" gibt der US-Journalist Michael Wolff Innenansichten in die Trump-Wahlkampagne, in den Kreis der Spender und Mitarbeiter, die internen Intrigen und den Umgang mit den zahlreichen Klagen. Seine Quellen verschleiert er dabei - und nach der Lektüre des Buches ist ziemlich klar, dass kein Informant Wolffs Interesse haben dürfte, als Leak identifizierbar zu sein. Das ist einerseits die Schwäche dieses gut lesbaren Buches - Behauptungen und Beschreibungen sind nicht verifizie...

Gespräche jenseits der Blasen und Echokammern

 Es ist leicht, sich seiner eigenen Ansichten und Überzeugungen zu vergewissern - man bewegt sich einfach innerhalb der eigenen Denkblasen und Echokammern. In seinem Buch "Und dennoch reden wir miteinander" macht Stephan Lamby das Gegenteil - er nähert sich Populisten und Verschwörungstheoretikern an, ja Menschen, die sich voller Stolz als Faschisten bezeichnen, und porträtiert sie zunächst einmal als Menschen, deren Denkweise er zu verstehen versucht, ohne sie zu teilen. Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil des politischen Diskurses der Gegenwart. Ausgangspunkt ist eine Familienfeier im Rheinland, wo Lamby aufgewachsen ist. Auch die Verwandtschaft aus Amerika ist gekommen, einschließlich eines Cousins, dem sich der Autor immer sehr nahe gefühlt hat - gegenseitige Besuche, viele Gespräche, auch wenn sie politisch schon damals unterschiedlicher Meinung waren. Mittlerweile ist der Cousin Trump-Anhänger und war beim Sturm auf das Capitol dabei.  Lamby recherchiert in den USA...

Stimmen eines historischen Jahres

Es war das Jahr des Endes und des Neuanfang: 1945 endete mit den Niederlagen Nazi-Deutschlands und Japans der Zweite Weltkrieg. In dem Buch "1945" lässt Volker Heise Menschen zu Wort kommen, die das Jahr an den verschiedenen Fronten, in Berlin, im Hinterland, in den einstigen deutschen Ostgebieten erlebt haben, als allierte oder deutsche Soldaten, Teenager, Menschen, die in Opposition zum Dritten Reich standen und überzeugte Nazis. Dementsprechend unterschiedlich die Stimmen und Erfahrungen: Was für die einen eine unvorstellbare Katastrophe war, war für andere die ersehnte Befreiung, verbunden mit Hoffnungen auf eine andere Gesellschaft, auf das Wiedersehen mit Angehörigen. Doch gerade im Fall der im Untergrund lebenden Berliner Juden war dies eine Hoffnung, die für viele mit schrecklichen Gewissheiten enden sollte. Die Todesmärsche der KZ-Häftlinge sind ebenso Thema der zitierten Aufzeichnungen wie die jugendlichen Flakhelfer, die als letztes Aufgebot verheizt wurden, die Er...

Vom Versagen der Sicherheitsdienste und "information warfare"

 Der Titel des Buches "Nichtwissen ist tödlich" nimmt die bittere Erfahrung Israels am 7. Oktober 2023 vorweg: Das Land wurde trotz seiner angeblich besten Sicherheitsdienste der Welt vom Terrorangriff der Hamas kalt überrascht. Den Preis zahlten die Toten der Massaker und die mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppten Geiseln und ihre Angehörigen und Freunde. Hätte der Angriff und damit auch der folgende Krieg mit seinem Leid für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen und mittlerweile auch im Libanon vermieden werden können?  Inzwischen ist bekannt, wie akribisch sich die Hamas-Kämpfer vorbereitet haben, aber auch, dass Berichte und Analysen der Beobachterinnen nicht weitergeleitet und ausreichend ernst genommen wurden. Ganz abgesehen von den Fehlern der Regierung Netanjahu, die lieber Truppen zum Schutz der - oft militanten und nationalistisch-extremen - Siedler im Westjordanland abstellte, statt die Kibbutzniks im Süden Israels zu schützen. Insofern berichtet auch Ex-Nac...

Letzte Stunden, letzte Stimmen

  Lee Yaron ist Journalistin der liberalen israelischen Zeitung "Haaretz", einer Zeitung, die schon seit jeher immer wieder auch über die israelischen Palästinenser und die Geschehnisse in Gaza und im Westjordanland berichtete, die kritisch zum Siedlungsbau und der Regierung Netanjahu steht. In ihrem Buch „Israel, 7. Oktober“ erzählt sie von den letzten Stunden der Menschen, die bei den Anschlägen ums Leben kamen, von denen, die zwar überlebt haben, aber schwer traumatisiert sind von dem Erlebten und dem Tod von Freunden und Angehörigen.  Damit ist sie nicht alleine - in den vergangenen Monaten erschienen mehrere Bücher, in denen der Terrorangriff aufgearbeitet wurde, in denen auch Angehörige der Geiseln ihre Perspektive schilderten, etwa wie Ron Leshems "Feuer". Doch Yaron blickt über die "heimischen" Opfer hinaus, widmet sich auch denen, die in den Geschichten über den 7. Oktober seltener erwähnt werden. So berichtet sie nicht nur von Kibbuzbewohnern, so...

Amerikanische Träume

 Von diesem Wahljahr hängt viel ab - unter anderem, ob in den USA Donald Trump wieder ins Weiße Haus einzieht. Gerade angesichts der Erfahrung seiner ersten Amtszeit dürften sich viele Europäer fragen, wieso dieser Mann bei einer großen Zahl von Amerikanern überhaupt als wählbar gilt. Haben die denn nichts gelernt? In ihrem Buch "Das amerikanische Versprechen" erzählt Kerstin Kohlenberg anhand von drei Lebensgeschichten, wie die Mitte der Gesellschaft in den USA immer kleiner wird, wie Aufstiegsträume immer schwieriger umzusetzen sind und wie die Gesellschaft polarisiert. Kohlenberg war, unter anderem in den Trump-Jahren, USA-Korrespondentin der "Zeit" und hat ihre Protagonisten dort getroffen und über längere Zeit begleitet. Im Stil einer literarischen Reportage erzählt sie über Walter, einen Black Lives Matter-Aktivisten, Stephen aus Kentucky, der beim Sturm auf das Kapitol einer der ersten war, die die Absperrungen überwanden und Magali, Tochter einer mexikanisch...

Bangen, Begleiten, Abschied nehmen

 Schon der Titel "Alte Eltern" verrät, dass Volker Kitz einerseits ein sehr persönliches Buch geschrieben hat und andererseits eines über die Erfahrung, die viele Menschen ab einem bestimmten Alter machen: Plötzlich sind die Eltern nicht nur älter, sie sind alt. Sie werden langsamer, sie werden müder. Krankheiten treten auf - einige machen sie körperlich schwächer, andere greifen den Geist an, wie bei Kitz´s Vater, der an Demenz erkrankt.  Kitz ist sehr ehrlich, wenn er den Prozess, auch die eigene Reaktion beschreibt: Erst die Verleugnung und Verdrängung, bis die Symptome nicht zu übersehen sind. Die Rat- und Hilflosigkeit der beiden Söhne, die sich eingestehen müssen, dass der Vater nicht mehr alleine im Elternhaus auf dem Dorf leben kann, die Suche nach der besten Lösung, die dem Endsiebziger gerecht wird, denn beide leben schon lange nicht mehr in der Nähe der alten Heimat. Kitz drückt sich nicht vor der Verantwortung, er findet eine Seniorenresidenz in Berlin, nahe der e...

Der Fluch des Rohstoffreichtums

 Wenn von Ländern mit einem "Fluch der Ressourcen" die Rede ist, steht die Demokratische Republik Kongo in der Regel ganz oben auf der Liste: Das Land verfügt über einige der begehrtesten Rohstoffe weltweit, könnte danach eigentlich überaus wohlhabend sein. Statt dessen lebt der größte Teil der Bewohner am Existenzminimum und die Ressourcen werden zu Bedingungen abgebaut, die menschen- und umweltfeindlich sind. Die Profite stecken andere ein - eine kleine lokale Elite, meist gleichbedeutenden mit den Regierenden und ihren Freunden, und ausländische Unternehmen. In seinem Buch "Blutrotes Kobalt" befasst sich der amerikanische Forscher Siddarth Kara mit den Bedingungen, in denen im kongolesischen Kupfergürtel Kobalt  abgebaut wird, der Rohstoff, ohne den bei modernen Smartphones, Laptops und Elektroautos bzw deren Batterien nichts geht. Nirgends auf der Welt gibt es so große Vorräte wie dort, verwendet werden sie von Weltunternehmen, die sich ethische Ansprüche auf di...