Aus der Parallelwelt der Superreichen
In seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" schildert Evan Osnos Alltag und Problemchen aus einer Parallelgesellschaft, zu der die Leser*innen höchstwahrscheinlich keinen Zugang haben und auch niemals haben werden. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Artikeln, die der Autor in den vergangenen Jahren für den "New Yorker" geschrieben hat und handelt von der Welt der Superreichen, die nicht einfach nur Millionäre, sondern Mehrfachmilliardäre sind.
Die wachsende politische Bedeutung und Einflussmöglichkeiten der Tech-Milliardäre und Oligarchen in den USA werden hier eher gestreift, die einzelnen Kapitel ermöglichen eher den Blick in das Innenleben und die Denkweise der Menschen mit altem und neuem Geld, die immer noch nicht genug haben.
Bei den titelgebenden Yachten handelt es sich natürlich nicht um schnöde Segelboote, sondern um Super- und Megayachten. Osnos schreibt über Privatkonzerte, bei denen ein Hip Hop Star mal eben eine Gruppe 13-jähriger auf einer Bar Mitzwah bespielt, er zeigt ultrareiche Prepper und die Suche nach exklusiven Rückzugsräumen etwa auf Neuseeland, um Sicherheit vor den Folgen von Klimawandel und politischen Spannungen zu bekommen. Faszinierend auch das Kapitel über eine Selbsthilfegruppe von Wirtschaftskriminellen aus der Welt der Wall Street und der Hedgefonds, die bei Insiderhandel oder Anlagebetrug kein schlechteres Gewissen haben als Normalbürger beim Schwarzfahren oder Falschparken - nach dem Motto: Wenn es alle machen, kann es ja nicht so schlimm sein.
Dass Osnos überhaupt Zugang zu seinen Gesprächspartner erhielt, mag auch an dem richtigen Stallgeruch liegen - er wuchs in Greenwich auf, der immer wieder zitierten "Hedgefond Capital" im südlichen Connecticut und stammt mütterlicherseits aus einer WASP-Familie mit altem Geld. Das dürfte bei Interviewanfragen geholfen haben. Noch erhellender ist der Blick in die Welt der Superreichen allerdings durch die Gespräche mit den Menschen aus dem Dienstleistungssektor, der sich um sie herum gebildet hat: Immobilienmakler und Bau-Developer für die Menschen, die schon alles Haben, Musikagenten und Yacht-Personal, Menschen, die viel Geld damit verdienen, den ganz besonderen Service zu bieten, den ihr Klientel rund um die Uhr erwartet. Trotz mancher Verschwiegenheitsklausel ist das eine recht erhellende Lektüre.
Osnos schreibt unterhaltsam, ohne sich den Porträtierten anzubiedern. Er zeigt auch, wie sich der Umgang mit dem Ultrareichtum verändert hat und welche Einflussmöglichkeiten für die Superreichen bestehen, aber auch, wie die Wohlstandsschere und die Diskrepanzen im Einkommen von CEOs und Mitarbeitern immer weiter auseinanderklaffen.
Evan Osnos, Yacht oder nicht Yacht
C.H. Beck 2026
315 Seiten, 20 Euro
9783406844003
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