Posts

Posts mit dem Label "Afrika" werden angezeigt.

Literarischer Reisebericht aus dem Osten Afrikas

 Navid Kermani hat sich aufgemacht in den Osten Afrikas, von Madagaskar bis in die Nuba-Berge des Sudan, auf der Suche nach Kultur und Traditionen der Völker dieser Länder, um zu beobachten, wie sich der Klimawandel auf die Menschen dort auswirkt, zugleich reflektierend: Das Erbe des Kolonialismus, und was es heute für afrikanische Identitäten heißt. "In die andere Richtung jetzt", die Buchform einer Reportagereise für die "Zeit", beschreibt diese Reise. Kermani wollte ganz offensichtlich nicht als alter weißer Mann daherkommen, um mal den beliebten Kampfbegriff zu verwenden. Er bemüht sich um Sensibilität, nähert sich nachdenklich-behutsam Menschen und Ländern: Madagaskar, Mosambik, Komoren, Tansania, Kenia, Äthiopien und schließlich Sudan. Er hat viele Bücher gelesen und Narrative kennengelernt, er reflektiert, denkt auch immer darüber nach, wie er denn wohl wirkt, aus postkolonialer Perspektive. Das ist alles politisch höchst korrekt, aber vor lauter Angst, in ei...

Erzählungen von Macht und Ohnmacht aus Simbabwe

 Als postkoloniale Erzählungen ordnet der Verlag die Reihe der von Tsitsi Dangarembga herausgegebenen Erzählungen simbabwischer Autorinnen und Autoren ein. Damit klingt das zwar hinreichend woke, ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob diese Definition die zutreffendste ist, mal abgesehen davon, dass Simbabwe eine koloniale Vergangenheit hatte, aus der es sich befreit hat. Vor allem aber geht es um Macht und Ohnmacht, um Gewalterfahrungen, die zwar in einigen Geschichten im Unabhängigkeitskampf und dem späteren System Mugabe wurzeln, in anderen aber in patriarchalen Strukturen und systematischer traditioneller Unterdrückung von Frauen. Insofern könnten sie auch in der Zeit der Bürgerkriegs in Ex-Jugoslawien spielen, in Syrien oder überall dort, wo archaische Strukturen Ehemännern und Vätern absolute Gewalt über Frauen zubilligen. Ziemlich harter Tobak ist der Stoff dieser Kurzgeschichten, die die literarische Umsetzung wahrer Geschehnisse sind. Im Rahmen des Projekts "Breaking the ...

Okavango-Delta und Berliner Politik-Bubble

 Wer mit Mitte 20 und nach einem Politikstudium gewissermaßen nahtlos einen bezahlten Job im politischen Berlin bekommt, sollte eigentlich wenig Grund zum Jammern haben, sondern sich sehr, sehr privilegiert fühlen. Nach neun Jahren Dauerstress zwischen Wahlkampf und Bundestag braucht Maria Henk allerdings eine Auszeit und begibt sich mit einem vierwöchigen Mini-Sabbatical auf Sinnsuche und Selbsterkenntnis. Eine Rangerausbildung soll es sein, ganz weit weg aus der Berliner Blase und so landet sie denn nicht nur in Botswana zu einem vierwöchigen Kurs im Okavango-Delta, sie lässt mit ihrem Buch "Als Rangerin im Politik-Dschungel" auch daran teilhaben. Das Ergebnis ist durchaus kurzweilig, bleibt aber ebenso oberflächlich wie es die Ausbildung sein dürfte. Denn es hat schon einen Sinn, dass die wirklichen Ranger, die etwa in Nationalparks für Artenschutz und gegen Wilderei arbeiten, nicht mal eben einen vier-Wochen-Kurs absolvieren. En passant wird dann auch erläutert, dass die ...

Der Fluch des Ölreichtums - "Wie schön wir waren"

 Das fiktive Dorf Kosawa liegt irgendwo in Afrika. Normalerweise würde ich "africa is not a country!" protestieren, wenn wieder einmal ein ganzer Kontinent mit mehr als 50 Staaten und einer Milliarde Menschen verallgemeinert wird. Aber das ist in Imbolo Mbues Roman "Wie schön wir waren" ja gar nicht der Fall. Zum einen, weil die in Kamerun geborene und in den USA lebende Autorin sicherlich genug eigene Erfahrungen mit diesem Blick auf Afrika hat und nicht vorhat, ihn zu spiegeln. Zum anderen, weil Kosawa in so vielen Ländern liegen könnte, für die reiche Öl- und andere Rohstoffvorkommen Reichtum und Fluch zugleich sind - Nigeria oder Südsudan, Kongo oder Niger und auch in der Heimatregion Mbues wurde Öl gefunden. Die Entdeckung und Förderung von Öl durch einen ebenfalls fiktiven amerikanischen Konzern verändert das Leben in Kosawa.  Zwar setzen die Bewohner ihren traditionellen Lebensstil fort, geprägt durch die Jagd, Ahnenkult, Landwirtschaft. Doch dann werden die ...

Von der Beerdigung in den Bürgerkrieg - Wild Card

   Weston Kogi ist Yoruba und in dem fiktiven westafrikanischen Staat Alcacia (Nigeria lässt grüßen!) geboren. Doch seit  seine Tante Blossom ihn und seine Schwester als Teenager in ein Flugzeug nach England gesetzt hat, um die Geschwister in Sicherheit vor politischen Unruhen zu bringen, ist einige Zeit vergangen. Weston mag Afrikaner sein, doch er fühlt sich als Südlondoner. Nun muss er aber zurück in die ursprüngliche Heimat: Die Tante ist gestorben, und Weston  kann auf der Beerdigung nicht fehlen, Nur ein paar Tage, so hat er sich vorgenommen. Doch dann kommt für den Ich-Erzähler in Tade Thompsons Roman "Wild Card" alles ganz anders. Weston gehört nicht zu den Diaspora-Afrikanern, die sich nach den fernen Wurzeln verzehren. Sein Yoruba ist holprig geworden, und schon die Ankunft auf dem Flughafen empfindet er als eher herbe: "Niemand hieß einen in Ede City willkommen; man wurde lediglich darüber in Kenntnis gesetzt, dass man gelandet war, dann musste man selbst ...

Nigerianisches Babydrama - Das Baby ist meins

 Den Debütroman "Meine Schwester, die Serienmörderin" der nigerianischen Autorin Oyinkan Braithwaite fand ich sofort überzeugend: Makaber, witzig, unerwartet und mit ironischen Einblicken in die Gesellschaft des westafrikianischen Landes und das Leben in der Mega-Metropole Lagos. Mit ihrem Buch "Das Baby ist meins" kehrt Braithwaite ins Lagos des Corona-Lockdowns zurück, weniger blutig, mit einem ganz anderen Thema, aber auch hier geht es um Familienbeziehungen, Loyalität und Betrug. Mit gerade mal 128 Seiten ist die Geschichte des Streits um ein süßes Baby eher eine Novella - vielleicht auch dem aktuellen Bezug geschuldet. Ich-Erzähler Bobbi  hat es mit seinen 28 Jahren nicht sonderlich eilig, sich zu binden. Zwar verbringt er den Lockdown angenehm  in dem Apartment seiner aktuellen Freundin, doch dummerweise findet sie ein paar einschlägige Textnachrichten und Fotos auf seinem Handy. Das Argument vieler afrikanischer Männer, dass eine einzige Frau einfach nicht au...

Kalter Krieg und mörderischer Auftrag zwischen New York und Ouaggadougou

Im Klappentext zu "American Spy" wird Autorin Lauren Wilkinson gleich in ihrem Debütroman mit John Le Carré verglichen. Das ist eine Steilvorlage -  und wird beiden nur teilweise gerecht, denn sie liegen Generationen auseinander mit ganz verschiedenen Lebenserfahrungen und Perspektiven. Gewiss, auch "American Spy" ist ein Agententhriller und es geht um die Auseinandersetzungen im Kalten Krieg - doch da enden auch schon die Parallelen. Denn wo sich George Smiley und Co meist zwischen Berlin und Prag, Budapest und Moskau und natürlich Moskau belauerten und betrogen, ist Ich-Erzählerin Marie Mitchell eine schwarze Amerikanerin in der Reagan-Ära. Anders als die Protagonisten im "Circus", die meist schon während ihrer Jugendzeit an einer der Eliteuniversitäten vom einem oder anderen Geheimdienst angeworben wurden, , stößt Marie immer wieder auf Widerstände in ihrer Karrierre beim FBI. Sie ist eine Frau und sie ist schwarz - das sind zwei Gründe für ihren Boss...

Träume von Starruhm und harte Realitäten -"Spiel des Lebens"

Vom Lifestyle, Geld und vor allem vom Ruhm der Profifußballer sind wohl Kinder und Jugendlicher in aller Welt beeindruckt, die sich für Fußball interessieren. Und nirgends sind die Träume und die Hoffnungen größer als in den Ländern des globalen Südens, wo viele Menschen in Armut leben und die Bildungs- und Aufstiegschancen für die meisten Kids gering sind - und wo gleichzeitig die Liebe zum Fußball enorm ist. Der Straßenfußball, den man in Deutschland ja immer weniger findet, weil der sportbegeisterte Nachwuchs "ordentlich" im Verein angemeldet wird, ist in den Ländern Afrikas allgegenwärtig. In "Spiel des Lebens" beschreibt Sebastian Abbot ein Scouting-Projekt des Golfstaats Katar und des spanischen Talentsuchers Josep Colomer, der das Projekt "Football Dreams" ins Leben gerufen hat, auf der Suche nach dem neuen, dem afrikanischen Messi. Mit der "Aspire"-Akademie in Doha, mehr noch aber ihrem Ableger in Senegal sollte der talentierteste Nachw...

Der Widerstand der Gelehrten - Die Bücherschmuggler von Timbuktu

Bei Charlie Englishs Buch "Die Bücherschmuggler von Timbuktu" kommen gleich mehrere Arten von Lesern auf ihre Kosten - die historisch oder geografisch Interessierten, die Anhänger einer gut erzählten "David gegen Goliath"-Geschichte und natürlich all jene, in deren Ohren schon der Klang des Ortsnamens Timbuktu magisch-verheißungsvoll klingt, ähnlich wie Sansibar, Samarkand oder Buchara. Um die Geschichte der sagenumwobenen Oasenstadt geht es auch, um Mythos und Realität, aber auch um den - lange Zeit ignoranten und selbstherrlichen - europäischen Blick auf Afrika, um die Macht von Worten und Wissen und um die Konflikte, die den Wüstenstaat Mali in der Gegenwart prägen. Charlie English, lange Leiter des Auslandsressort des "Guardian", Mitglied der Royal Geographic Society  und seit seinem 19. Lebensjahr immer wieder unterwegs in Afrika, verwebt Geschichte und Geschichten, journalistisches Handwerk und Storytelling. Sein Buch über die Bücherschmuggler, jen...

Dekadente Zeiten im kolonialen Ostafrika - "Kenia Valley"

Karen Blixen hatte bekanntlich eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong-Berge. Der Vater des 15-Jährigen Theo zieht als neuer Direktor der Ostafrikanischen Eisenbahn in den 20-er Jahren aus Schottland in die britische Kolonie Kenia. Welch ein Kontrast ist das zu dem Leben, das Theo und seine jüngere Schwester Maud bisher kannten! Die Familie lässt sich nicht etwa in Nairobi nieder, wo so viele Kolonialbehörden angsiedelt werden, sonder zieht nach Naivasha im Rift Valley. Zebras und Giraffen in der Nachbarschaft sind plötzlich die neue Normalität, ebenso afrikanische Dienstboten. Für Theo, der wegen seiner eher mädchenhaften Erscheinung in der Schule gemobbt wurde, bedeutet Kenia ein Neuanfang - auch mit Freunden, die er zunächst grenzenlos bewundert, allen voran den Aristokraten Freddie und die mondäne Amerikanerin Sylvie, beide anderweitig verheiratet, aber offensichtlich ein Paar. Der hoffnungslos in Sylvie verliebte Teenager ist verwirrt, aber überglücklich, dass diese doch deutlich...

Sklaverei, Kolonialbeginn und der Traum von Selbstbestimmung - "Die Frauen von Salaga"

Aminah wächst als Tochter eines Schuhmachers auf einem Gehöft in dem westafrikanischen Marktflecken Botu auf. Wurche ist die Tochter eines lokalen Herrschers, stolz, wild und gänzlich unwillig, sich dem klassischen Frauenbild zu fügen. Beide sind "Die Frauen von Salaga" in dem Roman der ghanaischen Schriftstellerin Ayesha Harruna Attah, der Ende des 19. Jahrhunderts im prekolonialen Ghana spielt, wo aber bereits der "scramble of Africa" absehbar ist. Beide Frauen träumen von einem Leben, das ihnen traditionell verwehrt bleibt - Aminah würde gerne ihren Vater auf seinen Reisen begleiten, wünscht sich, sein Handwerk zu lernen. Wurche wiederum, die eine bessere Reiterin ist als ihr eher verträumter Bruder, möchte ebenfalls an Wettrennen teilnehmen, ihre Stimme im Rat der Männer erheben, Entscheidungen treffen. Doch es kommt ganz anders. Sklavenjäger überfallen Botu und die angrenzenden Dörfer. Aminah und ihre Geschwister werden auseinandergerissen, mit anderen Skla...

Traumatische Tropen - als Feldforscher bei den Dowayos

Zugegeben, so ga nz taufrisch ist Nigel Barleys Buch “Traumatische Tropen. Notizen aus meiner Lehmhütte” über die Feldforschungs-Erlebnisse eines jungen britischen Ethnologen im Norden Kameruns nicht. Ursprünglich 1986 veröffentlicht, erschien im vergangenenen Jahr eine neue Auflage, in der noch nicht mal die DM-Angaben in Euro umgerechnet wurden – möglicherweise, weil die Lektoren es lieber gar nicht erst darauf ankommen lassen wollten, sich auf die Entwicklung von Inflation und Kaufkraft in Kamerun und den passenden Relationen in Euro oder Pfund einzulassen. Das ist aber auch völlig egal, denn den Kulturschock, auf den sich Nigel Barley eingelassen hat, dürften Feldforscher in so ausgesprochen ländlichen Regionen Afrikas auch im 21. Jahrhundert überall dort erleben,wo sie sich weitab städtischer Gegenden mit Mobilnetz und Fernsehempfang bewegen. Und so manches Abenteuer des Autors mit Behördenwillkür, Nepotismus, Korruption und einer Mischung aus Fatalismus und überhöhten...

Abschottung - über Mauern und Abgrenzung

Es ist noch keine 30 Jahre her – plötzlich fiel die Berliner Mauer, das Brandenburger Tor war offen, die Scorpions besangen den “Wind of Change” und quer durch Europa fielen die Grenzzäune des Kalten Krieges. Wer zwischen den Schengen-Staaten durch Europa reist, merkt kaum noch, wann eine Staatsgrenze überschritten wurde. Grenzen und Abgrenzung – alles eine historische Altlast? Keineswegs, denn während US-Präsident Donald Trump seine Mauer an der Grenze zu Mexiko noch nicht hochgezogen hat, stehen an vielen Stellen Grenzzäune. Ungarn, ausgerechnet das Land, das 1989 den Stacheldraht einfach ignorierte und Menschen aus der DDR die gefahrlose Ausreise in den Westen ermöglichte, hat wieder neuen Stacheldraht gegen Flüchtlinge hochgezogen, sieht sich angesichts der vor allem aus Syrien und anderen Krisenstaaten des Nahen Ostens flüchtenden muslimischen Menschen als Verteidiger des christlichen Abendlands. Und dass es nicht mehr Mauern an anderen europäischen Grenzen gibt, h...

Gebrauchsanweisung für Namibia - Afrika mit einem deutschen Touch

Mit “Gebrauchsanweisung für Namibia” hat Dominik Prantl ein Buch für Afrika-Neugierige und -Reisende geschrieben und zugleich einem Land seine Hommage erwiesen, dass für ihn, wie er auf seiner Webseite schreibt, bei allen Reisen auf dem Kontinent etwas besonderes ist. Bei deutschen Touristen jedenfalls erfreut sich Namibia jedenfalls seit Jahren großer Beliebtheit. Schließlich gilt das Land einerseits als “Africa light” - die Kriminalitätsrate liegt auch in den Städten weitaus unter dem, was in Johannesburg oder Nairobi gang und gäbe ist. Für diejenigen, die als Selbstfahrer mit dem Englischen fremdeln, kann das nach wie vor verbreitete deutsche Element – und deutschsprachige Safari-, Lodge- und Farmstay-Anbieter – beruhigend sein. Und selbst dort, wo Prantl vor Gefahren warnt, etwa Unfallgefahren, scheint das Land im Südwesten Afrikas berückend harmlos. Da scheint eher die Weite und nachlassende Konzentration das Problem zu sein als der Killerinstinkt von Truckern und ...

Land unter im Paradies - Reportagen zum Klimawandel

#Sachbuch #Klimawandel #Umwelt #Afrika #Nahost #Europa #USA Wie zeigt sich der Klimawandel im Kleinen, für Weinbauern und Fischer, für Inselbewohner und Menschen, die in Regionen leben, in denen ohnehin schon Wassermangel herrscht? Dieser Frage ist die Historikerin und Autorin Susanne Götze in einer Sammlung von Reportagen nachgegangen. Ein Großteil der in Afrika, Europa, Amerika und dem Nahen Osten recherchierten Artikel ist nicht mehr ganz neu – einige von ihnen wurden bereits vor rund zehn Jahren veröffentlicht. Götze sprach mit Kommunalpolitikern und Bauern, Wissenschaftlern, Umweltschützern, aber auch mit Leugnern des Klimawandels. Ihr persönliches Engagement und ihre eigene Betroffenheit über die Auswirkungen von Klimaveränderungen, über nur langsam greifende Anpassungsmaßnahmen werden nicht nur angedeutet, sie sind stellenweise geradezu plakativ.  Darin liegt die Schwäche der Reportagesammlung, jedenfalls wenn die Grundregeln objektiver, an Tatsachen orientiert...

Lagos Noir - Korruption, Juju und ein Schutzengel der Nutten

#Afrika #Nigeria #Spannung Er ist britischer Journalist auf seinem ersten Auslandseinsatz und in der nigerianischen Hafenstadt Lagos völlig außerhalb seines Elements und zunächst einmal völlig überfordert. Sie ist Diplomatentochter, Rechtsanwältin und eine Beschützerin der Prostituierten von Lagos. Als Guy Collins beim Ausflug in eine Aufreißerkneipe nach der Entdeckung einer ermordeten jungen Frau im Polizeirevier Argwohn erregt, hilft ihm Amaka, die im Alleingang auf der Suche nach den Drahtziehern illegalen Organhandels ist. Der schüchterne Brite und die selbstbewusste Nigerianerin sind ein ungleiches Paar. Nachdem er erlebt, wie ein Polizist einen Mann kurzerhand als mutmaßlichen Autodieb erschießt und Zeugen zusammenschlägt, will er eigentlich am liebsten ins nächste Flugzeug zurück nach London steigen. Doch andererseits ist da Amaka:  schön, selbstbewusst und verwirrend. Der nigerianische Autor Leye Adenile hat mit "Easy Motion Tourist" einen  spannenden Thriller ...

Flüchtlinge zur besten Sendezeit - "Die Hungrigen und die Satten"

Stell Dir vor, hunderttausende Flüchtlinge sind nach Deutschland unterwegs, und das Fernsehen ist live dabei. Mit „refugee-cams“, mit Kameradrohnen, mit einem Team von Autoren und Producern, die Dramaturgie und gefühlige Themen in die monatelange Liveberichterstattung bringen sollen, damit die Werbepausen weiterhin gut gefüllt sind. In „Die Hungrigen und die Satten“ passiert genau das. Nach „Er ist wieder da“ hat Timur Vermes ein bitterböse Gesellschaftssatire über Migration, Medien und Politik geschrieben .   Mitunter überzogen und reißerisch, dann wieder mit einem Humor, der auch mal in der Kehle steckenbleiben kann und einem dramatischen Finale an der deutsch-österreichischen Grenze erzählt er die Geschichte eines Flüchtlings, der in einem der größten Flüchtlingslager der Welt in Afrika für eine Doku-Soap gecastet wird. Eigentlich soll es dort um den Besuch des Reality-TV-Stars Nadeche Hackenbusch gehen, die dort als „Engel des Erbarmens“ Gutes tun soll. Für die eher u...

Grausam, sinnlich, poetisch: Akwaeke Emezis "Süßwasser"

#Debütroman # Afrika #Nigeria #USA #Frauen Mit "Süßwasser" hat die nigerianisch-tamilische Autorin Akwaeke Emezi einen faszinierenden Debütroman geschrieben, der in spirituelle Traditionen Westafrikas und den Geisterglauben der Igbo eintaucht. Es ist auch eine Geschichte um die Suche nach Identität, von Spaltung und Selbstzerstörung. Ada ist ein eher schüchternes, fleißiges Mädchen aus guter Familie. Der Vater ein nigerianischer Arzt, die Mutter eine indonesische Krankenschwester, ein älterer Bruder, eine jüngere Schwester. Und wie es sich für das Mitglied einer ehrgeizigen westafrikanischen Mittelschichtfamilie gehört, wird auch sie zum Studium in die USA geschickt – für die behütet aufgewachsene junge Frau erst einmal ein Kulturschock. Sex und Drogen, für viele ihrer Mitstudenten ganz normal, sind für Ada ausgeschlossen. Da ist Asughara vollkommen anders. Sie ist sexuell geradezu aggressiv, fühlt sich dann am lebendigsten, wenn die Lust intensiv ist, die stets...

Teuflische Saat - Spannender Thriller über den Südsudan

#Thriller #Afrika #Südsudan #Zeitgeschehen #Spannung Der Südsudan, jüngster Staat der Welt mit blutiger Vergangenheit und ungewisser Zukunft, ist der Schauplatz des spannendenThrillers "Teuflische Saat". Die Suche nach einer seltenen Pflanze wird zu einer Reise zu Abgründen und tödlicher Gefahr. Gabriel Cockburn ist ein Protagonist, der auch aus einem Roman von John Le Carré stammen könnte: Wissenschaftler am Botanischen Institut, nicht mehr jung, noch nicht alt, dessen Ehe ebenso eingefroren scheint wie seine Karierre. Ein unauffälliger Mann mit milder Midlife Crisis, der es im Triller “Teuflische Saat” des südafrikanischen Schriftstellers Andrew Brown nichtsdestotrotz schafft, das Interesse von Geheimdiensten, Militärs und Waffenhändlern auf sich zu ziehen, als er auf der Suche nach einer ganz bestimmten Pflanze in den Südsudan reist. Denn gerade dort gilt es für den britischen Auslandsgeheimnis MI6 und einen hohen Luftwaffenoffizier, Beweismittel für eine Dronen...

Das weiße Nashorn – Artenschutz-Thriller um Nashorn-Wilderei

 #Thriller #Südafrika #Naturschutz #Artenvielfalt Das Thema, das im Mittelpunkt von “das weiße Nashorn” des schwedischen Autors und Journalisten Markus Lutteman steht, ist hochaktuell: Die Wilderei von Nashörnern und Elefanten wegen ihres Hotns beziehungsweise Elfenbeins, der gewerbsmäßige Schmuggel vor allem nach Asien und die dramatischen Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Internationale Naturschutzorganisationen wie auch Nationalparks in den betroffenen afrikanischen Staaten schlagen schon seit Jahren Alarm, dass die Zahl der Tiere bedrohlich zurückgeht und vor allem Spitzmaulnashörner mittlerweile massiv gefährdet sind. Mancher Leser erinnert sich vielleicht auch an den Tod von “Sudan”, des letzten männlichen Nördlichen Breitmaulnashorn in einem privaten Reservat in Kenia in diesem Frühjahr. Dort leben nun nur noch zwei weibliche Tiere – selten konnte das Aussterben einer (Unter-)Art so publikumswirksam verfolgt werden. Auch bei Lutteman geht es um den Tod eine...