Reise durch ein verändertes Land

 Klaus Brinkbäumer hat lange als Korrespondent in den USA gelebt. Und er ist - das ist seinem Buch "Der amerikanische Albtraum" deutlich anzumerken - seit seinen Schüler- und Studententagen fasziniert vom "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Liebt es vielleicht ein bißchen zu unkritisch, denn vieles, was auch früher schon schwer mit dem (Selbst-)Bild des Landes, in dem jeder es schaffen kann, zu vereinen war, wird in seiner Sammlung von Essays und Gesprächen ausgeblendet.

Brinkbäumer geht auf Reise durch die USA, um zu sehen, wie sich das Land ein Jahr seit der zweiten Trump-Präsidentschaft verändert hat. Das Buch beruht auf einer Artikelreihe für die "Zeit". Der Autor spricht mit Wissenschaflern, Journalisten, Analysten, auch mit Vertretern der MAGA-Bewegung und zeigt ein verändertes Land. "Der amerikanische Alptraum" ist nicht das erste Buch, dass den Rechtsruck, die Anti-Migrationspolitik der Trump-Administration, den Einfluss von Big Tech und Big money aufzeigen. Andere Bücher, die ich in den vergangenen Monaten zu dem Thema gelesen habe, waren da noch analytischer, noch beißender. 

Brinkbäumers Buch ist immer auch ein persönliches - ein Autor, der Amerika liebt und damit hadert, was aus dem Land geworden ist, das für ihn für Freiheit und Aufbruch stand. Der direkte Vergleich, die Erinnerungen an eine bessere Vergangenheit und ein Klima, das den so gerne propagierten amerikanischen Werten widerspricht, machen den Reiz des Buches aus.

Was mich persönlich stört: Man bleibt hier gewissermaßen unter sich im Diskurs bildungsbürgerlicher Eliten. Brinkbäumer spricht mit Menschen, die er wohl zum Teil schon lange kennt aus seiner Korrespondententätigkeit. Doch selbst, wenn er mit MAGA-Leuten spricht, sind es deren bekannte Stimmen aus Podcasts und Radiosendungen, nicht mit den Menschen aus abgehängten Regionen, aus dem Mittleren Westen oder den Appalachen. Ebenso wenig kommen diejenigen zu Wort, die nun von Abschiebung bedroht sind, die den amerikanischen Alptraum ganz unmittelbar erleben. Oder LGBTQ-Menschen, deren Alltag durch Trumps "Es gibt nur zwei Geschlechter"-Haltung verändert wird. Das Buch hätte gewonnen, wenn es auch solche Perspektiven gezeigt hatte.


Klaus Brinkbäumer, Der amerikanische Albtraum

S. Fischer 2026

352 Seiten, 24 Euro

9783103977332

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