Ein deutsches Szenario

 Mit "Deutschland 2033" hat Justus Bender ein fiktives Szenario geschaffen, das Entwicklungen der Gegenwart aufgreift und weiterdenkt. Gelesen im Jahr 2026, erscheint dieses Szenario weder unwahrscheinlich noch besonders weit weg: Was wäe, wenn die AfD im Jahr 2033 stärkste Partei im neuen Bundestag würde und - zunächst - in einer Koalition mit der CDU regiert? Einer Koalition, die schon bald auseinanderbricht, ohne dass die AfD und ihre Bundeskanzlerin Alice Weidel auf Neuwahlen setzen, sondern als Minderheitsregierung mit Dekreten und Bürgerentscheiden weitermachen?

Das Darum, 100 Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, verleiht dem Szenario eine besondes düstere Komponente, ohne dass dies unbedingt zu Parallelen führt. Es gibt keine Fackelmärsche, keine Inhaftierung politischer Gegner, keine Schlägertrupps.Statt dessen eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahren sowohl in autoritären Regierungen wie auch in den USA des Donald Trump stattfand: Ein Schwächung der Justiz und der Verfassungsgerichte, Angriffe gegen nicht-opportunistische Medien, eine Polemik, die vorgaukelt, es sei nun das Volk, das entscheide. 

Der immer wieder zitierte Satz, dass Demokratien leise sterben, wird hier nachvollziehbar. Weil viele sich in den vorangegangenen Jahren an der AfD abgearbeitet haben, ohne das Gefühl zu haben, etwas ändern zu können. Weil allein die Androhung kostenspieliger Gerichtsverfahren und der Bedrohung der beruflichen Existenz zu einem Umschwenken in der Medienlandschaft führt. 

Bender zieht in seinem Zukunftsszenario immer wieder Rückschlüsse in eine Vergangenheit, die unsere Gegenwart ist oder die frühen Jahre der AfD betrifft. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie mit der Partei umzugehen und mit ihren Anhängern zu reden ist. Denn die übliche Argumentation im politischen Diskurs scheint in der emotionalisierten Debatte nicht zu wirken. Nicht mit Rechten zu reden ist auch kein echtes Gegenmittel, befeuert es doch die "Jetzt erst recht" - Haltung von AfD-Anhängern, die sich missverstanden und angefeindet fühlen.  Das Bröckeln der "Brandmauer" die im fiktiven Jahr 2033 eine AfD-Kanzlerin ermöglicht, beobachten wir bereits in der Gegenwart.

Gerade weil Bender Pathos und Emotionen vermeidet und auf nüchterne Darstellung setzt, wirkt sein Szenario so überzeugend. Vieles in unserer Gegenwart lässt es als glaubwürdige Möglichkeit erscheinen. Es muss nicht so kommen. Aber, und das ist eine klare Linie dieses Buches, es braucht Handeln und klare Positionierung, um es zu verhindern. Um die in dem Buch geschilderte Entwicklung zu verhindern, helfen Scheuklappen und "Es wird schon alles nicht so heiß gegessen" Einstellungen nicht weiter, sondern mündige und engagierte Demokraten, die nicht bereit sind, zu resignieren.


Justus Bender, Deutschland 2033

C.H. Beck 2026

284 Seiten, 20 Euro

9783406851599


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