Wiener Polizeikrimi mit aktuellen Themen

  Es gibt Autorinnen und Autoren, bei denen ich es kaum erwarten kann, ein neues Buch zu lesen. Mit "Freunderlwirtschaft" hat Petra Hartlieb vor zwei Jahren bei mir Erwartungen geweckt. Und nach der Lektüre von "Buberlpartie" kann ich sagen: Das Warten hat sich gelohnt. Der neue Fall der Wiener Chefinspektorin Alma Oberkofler hat es einmal mehr in sich, und diesmal ist sie ganz besonders nah dran. Denn während eines Treffens mit ihrer Nachbarin auf einem beliebten Wiener Markt erlebt sie hautnah mit, wie ein Auto in ein Restaurant rast. Es kommt zu einer Explosion, mehrere Menschen sterben, und Oberkofler hat einen Fall, der Polizeiobere und Politik nervös machen.

Denn das Restaurant gehörte dem österreichisch-israelischen Amon Cohen, der bei der Explosion ums Leben kommt, ebenso wie eine israelische Kellnerin und ein bekannter Enthüllungsjournalist. Am Steuer des Wagens wiederum saß der Juniorchef einer Baufirma, der ein bekannter Rechtsextremist mit politischem Ehrgeiz war und ebenfalls bei der Explosion starb. War es ein gezielter Anschlag? Die Schriftstellerin Miriam Cohen, Schwester des toten Restaurantbestzers und kurz vor der Explosion selbst vor Ort, weist jede Theorie eines Unfalls vehement zurück und ist überzeugt: Das war ein antisemitischer Anschlag. Doch vielleicht war der Journalist, der den Aufstieg der rechtspopulistischen Partei, die schon bald die Regierung stellen könnte, das Anschlagsziel? Und wer war der Mann, den Oberkofler unmittelbar vor der Explosion auf einer Bank vor dem Restaurant sitzen sah und dessen Identität tagelang unklar bleibt?

Einmal mehr vermengt Hartlieb einen spannenden Kriminalfall mit politischen Intrigen, aktuellen Bezügen und bösen Seitenhieben auf die weniger gemütliche Seite der Wiener Gesellschaft. Oberkofler kann einmal mehr auf die diskrete Unterstützung ihres Kollegen vom Verfassungsschutz zählen, doch nicht alle teilen das Aufklärungsinteresse der beiden. Im Gegenteil, einfache Lösungen werden bevorzugt und Oberkofler muss fassungslos feststellen, dass ihre Wahrheitssuche nicht unbedingt im Interesse von Innenministerium und Polizeipräsidium liegen. Politische Klüngelei und Interessen überwiegen - doch einmal mehr denkt Oberkofler gar nicht daran, klein beizugeben.

Sympatischerweise verzichtet die Autorin auf Schwarz-Weißmalerei und macht das Buch dank ihres bitterbösen Humors und der Grautöne vieler Charaktere noch einmal besonders lesenswert. Hoffentlich vergehen bis zum nächsten Fall der Alma Oberkofler nicht wieder zwei Jahre - vor allem, da am Ende angedeutet wird, dass die nächste Ermittlung noch einmal ganz persönlich werden könnte.

Petra Hartlieb, Buberlpartie

Dumont 2026

384 Seiten, 18 Euro

9783755800484

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